Alberto Biasi (Padua, 1937) gehört – nicht nur in Italien – zu den wichtigsten Vertretern der kinetischen Kunst, einer in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Biasis Bilder zeigen Oberflächen, die sich dem jeweiligen Standort des Betrachters gemäß verändern und damit die Illusion von Bewegung erzeugen. Dieser Effekt kam bei den Besuchern des Museion besonders gut an: „Dynamik ist Leben – der Blickwinkel ändert auch unsere Sichtweise“ schrieb dann auch ein Besucher über Biasis Arbeit.

In Italien wurden die "Neuen Tendenzen" einer kinetischen und optischen Kunst im Kern von zwei Künstlergruppen getragen: der "Gruppo Enne" (="Gruppo N") und der "Gruppo T". Alberto Biasi (geb. 1937), Ennio Chiggio (geb. 1938), Toni Costa (geb. 1935), Edoardo Landi (geb. 1937) und Manfredo Massironi (geb. 1937) hatten schon im Jahr 1959 die "Gruppo Enne" oder "Gruppo N" in Padua gegründet, die der deutschen Gruppe "ZERO" nahe stand. Die "Gruppo Enne" war auch 1961 auf der ersten Schau der "Neuen Tendenzen" in Zagreb vertreten.

1963 folgte die erste Einzelausstellung im "Studio F" in Ulm, ein Jahr darauf widmete die Biennale in Venedig der "Gruppo Enne" einen Raum. "Programmed Art 2", eine Wanderausstellung in amerikanischen Museen, und die große New Yorker MoMA-Schau "The Responsive Eye" machten die "Gruppo Enne" bald auch in den USA bekannt; 1967 folgte die Ausstellung "Grupa N" in Polen.

Im selben Jahr verließ Alberto Biasi die Gruppe. Die Op Art der "Gruppo Enne" zeigt sich etwa in Edoardo Landis Werk "Strutturazione ortogonale" (1962/63), dessen Musterstrukturen die flirrende Oberfläche eines Bildschirms suggerieren. Den kinetischen Aspekt vertrat beispielsweise Alberto Biasi, wenn er bemalte Kreisflächen mittels eines Elektromotors in Bewegung versetzte.

Die "Gruppo T" wurde ebenfalls im Jahr 1959 gegründet und hatte ihr Zentrum in Mailand. Davide Boriani (geb. 1936), Gabriele de Vecchi (geb. 1938), Gianni Colombo (1937-1993) und Grazia Varisco (geb. 1937) rechnen zu den Gründungsmitgliedern der "Gruppo T". Der Buchstabe "T" im Gruppennamen steht dabei abkürzend für das italienische Wort "tempo", zu deutsch "Zeit", und verdeutlicht den Anspruch der Gruppenmitglieder, in ihrer Kunst die Strukturen von Zeit und Raum und deren spannungsreiches Verhältnis zueinander zu untersuchen. Hierfür integrierten die Künstler der "Gruppo T" oftmals elektrische Motoren und künstliches Licht in ihre kinetischen und der Op Art nahestehenden Werke.