Bei der Werkgruppe der Papierreliefs (2005-) eignet sich Riedl den Raum an, indem er ihn erst auf dessen verschiedenen Regeln analysiert und diese schließlich mit dem Schnitt ins Papier an einem Ort fixiert. Das Konzept für diese Serie entstand in Rahmen einer artist in residency in Japan. Die Frage nach dem Gemeinsamen im kulturell so Verschiedenen, wurde erstaunlicherweise in den Regeln im Straßenverkehr deutlich. Diese Regeln bringt Riedl in Form von Verkehrsknotenpunkten versinnbildlicht zu Papier. Die Grundidee, aus der Fläche einen Ort zu markieren, zeigt sich auch bei neueren Papierschnitten. Hier dient etwa das Mikado-Spiel als Vorbild: der Wurf der Stäbe – an sich bereits raumgreifend – wird säuberlich ins Papier geschnitten. Die Regeln des Spiels, nämlich die vorsichtige Wegnahme einzelner Stäbe, werden somit konterkariert.

Nach einem Studienaufenthalt in Japan vertiefte er sein Interesse für das Papier als Material seiner Konstruktionen. Es ist das unbehandelte Papier, die Sichtbarmachung der Stärke und der Oberfläche, die Franz Riedl interessieren, er schneidet und ritzt das Weiß der Epidermis, er transportiert den Widerstand des Materials, die Verletzbarkeit der Fläche nach vorne und knickt die entnommenen Stellen nach hinten – nichts fällt weg, das Positiv ergänzt sich durch das Negativ im reliefierten Zuschnitt der Fläche. Raum- und Architekturansichten werden in eine abstrakte, unantastbare, reine Formreduktion übergeführt, die ihre Bildhaftigkeit von der Zartheit der millimeterdünnen Schichtungen erfährt.