Die künstlerische Entwicklung Gerhard Frömels setzt mit malerischen Arbeiten in den 1960er Jahren ein.

In Auseinandersetzung mit der konstruktiv-konkreten Kunst entstehen Werke mit linear geometrischen Elementen, die nicht nur Form, sondern auch Farbe als künstlerischen Einzelaspekt reflektieren.

Im weiteren Verlauf seines Schaffens wendet sich der Künstler zunehmend dreidimensionalen Formen zu – erst Bildobjekten, dann auch Skulpturen und Rauminstallationen.

Die Werke Frömels sind heute gekennzeichnet durch handwerkliche Perfektion und strenge Reduziertheit. Grundformen wie Quadrat, Trapez, Dreieck oder auch waagrechte oder diagonale Linien, meist in Schwarz und Weiß, erscheinen auf lackierten Alu- oder Holzelementen.

Im diametralen Gegensatz zur formalen und farblichen Einfachheit steht allerdings die Komplexität der Wahrnehmungsmöglichkeiten.


Die Arbeit „Schräge/Quadrat/weiß/schwarz“ von 2008 besteht aus einer im spitzen Winkel geknickten Aluminiumfläche, wodurch zwei übereinanderliegende Ebenen entstehen. Von vorne betrachtet erscheint eine quadratische schwarze Grundfläche, auf der sich ein weißes, geneigtes bis zu den Bildrändern reichendes Quadrat abzeichnet.

Diese Wahrnehmung des Wandobjektes ist aber nur eine von vielen. Bewegt sich der Besucher etwas nach links oder rechts und betrachtet die Arbeit von der Seite, so verzerrt sich die vormals quadratische Fläche zum Sechseck mit mehr oder minder spitzen Winkeln.

Erscheint die Arbeit auch von der einen Seite nahezu als Fläche, so wird von Gegenüber wiederum ihr plastischer Charakter deutlich, da die Öffnung zwischen den beiden Ebenen sichtbar wird.

Die geschlossene Form wird zur offenen, das Bild zur Skulptur.Die Wandlungsfähigkeit des Objektes in Abhängigkeit vom Betrachter ist zentrales Anliegen des österreichischen Künstlers, womit er vor allem den skulpturalen Aspekt der Wandarbeit betont, denn: ebenso wie die klassische Skulptur umkreist wird, um aller Ansichten gewahr zu werden und schließlich die Hauptansicht zu finden, wird der Kunstinteressierte hier eingeladen, das Objekt von allen nur möglichen Seiten zu erforschen.

Wie in wissenschaftlichen Vorgehensweisen gelangt der Suchende nur zur umfassenden Erkenntnis, wenn der Gegenstand von unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird.

Zudem lassen die Arbeiten Gerhard Frömels den eigenen Standpunkt bewusst werden – nicht allein im visuellen Bereich, sie veranschaulichen darüber hinaus, inwieweit das menschliche Urteil von der jeweiligen Sichtweise abhängt.

(Text: Jutta Fischer)