Hans Kupelwieser gehört zu den wichtigsten Konzept- und Medienkünstlern in Österreich. Möchte man seinen skulpturalen Zugang betonen, dann hat er durch die Verschränkung zahlreicher Medien, die Verwendung unkonventioneller Techniken und Materialien sowie durch seinen reflexiven wie gleichzeitig experimentell-assoziativen Zugang die Definition von Skulptur bzw. Objektkunst wesentlich erweitert. In der Kunsthalle Nexus zeigt er eine Installation mit Arbeiten der letzten zehn Jahre sowie mit aktuell in diesem Jahr geschaffenen Werken. Großformatige Fotogramme, mehrfarbige Skulpturen, Leuchtkästen, Reliefs, eine Tisch-Skulptur sowie Rotationsobjekte verstehen sich als Bestandteile eines komplex konzipierten Systems, in das auch der Ausstellungsraum integriert ist. Grundsätzlich bewegt sich Kupelwieser im Grenzbereich zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Dies führt ihn in einer prozessualen Arbeitsweise zu Transformationen, Überschneidungen und Umkehrungen von Formen, Verfahren und Materialien und damit zu neuen Erscheinungen, Realitätsebenen und Bedeutungen. Das Medium ‚Fotogramm’ – er verwendet hier grundsätzlich Alltags- und Naturdinge vom Erdapfel bis zum Möbelstück – begleitet ihn bereits von Anfang an. Seit den 1980er-Jahren hat er unzählige Fotogramme, meist in Schwarz-Weiß, in unterschiedlich großen, häufig meterlangen Formaten produziert. Das Fotogramm versteht sich per se als Medium zwischen Zwei- und Dreidimensionalität: Aus einem Ding-Objekt entsteht zunächst ein „flaches“ Bild und daraus vielleicht wieder ein neues autonomes Objekt. Oder ein Fotogramm wird zerknüllt und mutiert zum plastischen Relief. Viele Variationen sind möglich. Das wahrnehmerische Spiel mit den Dimensionen führt Kupelwieser immer wieder auch zum Einsatz von Bewegung, zur Gestaltung von Rotationsobjekten.
Das Licht spielt in der gesamten Raumkonzeption eine dominante Rolle. Es bedingt reizvolle Farbwirkungen, holt Dinge aus der Dunkelheit, schafft Reflexionen, Verzerrungen, veränderte Oberflächen. Das Überformen (so der Ausstellungstitel), Weiterentwickeln, Neukodieren, der Transfer in andere „Aggregatzustände“ (H.K.) ist Kupelwiesers Prinzip. Der Kern bleibt erhalten, aber „es geht“, so der Künstler“, „immer weiter wie in einem sich selbst generierenden System“.