Quinte verzichtet in seinen Gemälden auf jede Form von Gegenständlichkeit. Die fünfziger Jahre sind gekennzeichnet durch abstrakt-expressive Formen, die er in gestischem Duktus aufträgt. In den sechziger Jahren werden Erinnerungen an Wirklichkeitsfragmente wie Fenster oder Vorhänge einbezogen. In den siebziger Jahren beschäftigt sich Quinte mit geometrischen, flächigen Formen. In den Schlitz- oder Fächerbildern durchschneiden mit dem Lineal gezogene Linien die Bildfläche. Diese Geometrie steigert sich in den Faltwänden, Gemälden, die sich in den Raum hinein öffnen. Seit den achtziger Jahren schieben sich Farbflächen in die großformatigen Bilder hinein oder scheinen in Blöcken auf der Leinwand zu schweben. Quinte bleibt sich in der Technik stets treu. Er malt die Farbe in sehr dünnen, durchscheinenden Schichten auf zumeist ungrundierte, grob gewebte Leinwände, deren Struktur sichtbar bleibt. Durch Auswischungen mit einem feuchtem Pinsel legt er anschließend wieder hellere Schichten frei. Grob gefasertes Japanpapier erzielt in seinen graphischen Arbeiten vergleichbare haptische Qualitäten.

Lothar Quinte gilt als einer der erfolgreichsten Künstler der Op(tical) Art in Deutschland. Mit der konstruktiven Kühle seiner Op-Art-Kollegen hat er allerdings nicht viel gemein. Quintes Bilder strahlen eine Poesie aus, welche die konstruktiven Formen zum sinnlichen Erlebnis werden lässt. Seine in den 1960er Jahren entstehenden Schleier- und Fensterbilder rücken die Themen Licht und Raum in den Mittelpunkt. Die Malerei bzw. der durch sie evozierte farbige Klang im Raum wird als Mittelpunkt des sinnlichen Erlebens zelebriert.

Mit den Werkserien der sogenannten Schlitz-, Falt- und Fächerbilder halten farbige Kreise, Quadrate und Rechtecke als Farbräume ihren Einzug in den Quintschen Bilderkosmos. Einen weiteren Höhepunkt stellen die Anfang der 1970er Jahre entstehenden Corona-Bilder dar. Mit seinen Dripping- und Netz-Bildern knüpft er an das Gestische seiner ersten Bilder an. In der Spätphase dominieren ruhige Farbklänge, Farbwolken und auratisch aufgeladene Energiefelder. 

Klaus J. Schoen befasst sich seit vielen Jahren mit den Möglichkeiten und Problemen geometrischer Abstraktionen. In seiner Malerei spielt Harmonie eine große Rolle: sie erscheint in seinem Werk als Resultat eines konsequenten Reduktionsprozesses, in die Spannung der einzelnen, das Bild konstituierenden Teile – Komposition, Farbgebung und formale Gestaltung – präzise und komplex miteinander verbunden sind, jedoch gehört auch das Durchbrechen formaler Prinzipien zur künstlerischen Methode Schoens. Er wendet sich in der Praxis seiner Kunst gegen allzu dogmatische Formalismen konstruktiver Gestaltung. Er formuliert Erkenntnisse, die Berührungspunkte zwischen konstruktiven und transzendenten Erfahrungen bezeichnen.

Heinz Teufel, 1998

In Klaus J. Schoens Malerei spielt die Harmonie eine große Bedeutung:  Sie erscheint in seinen Werken als Resultat eines konsequenten Reduktionsprozesses, in dem die Spannung zwischen den einzelnen Bildkomponenten – Farbe, formale Gestaltung und Komposition – präzise und komplex miteinander verbunden, gelöst wird.