Wenn man Valentin Oman in seinem Malerkittel im Atelier begegnet, weiß man zunächst nicht, ob der Mann aus der Zukunft oder aus der Antike kommt. Eine beeindruckende Erscheinung. Ein Künstler, der unermüdlich seine Leinwände bearbeitet, aufträgt, abzieht, übermalt und überklebt, bürstet und kratzt, herumträgt und ordnet, sitzt und betrachtet. Im Gespräch spitzt er die Ohren und sein ohnehin durchdringender Blick wird noch schärfer. Er hört sich Berichte an und stellt Fragen. Nichts soll ihm entgehen. Er möchte Geschichten hören über das Leben. Über Länder und Kulturen. Valentin Oman ist ein Menschenforscher, ein Anthropologe. Der Mensch in all seinen Facetten steht im Mittelpunkt seines Werks. „Ecce Homo“ heißt ein Zyklus, an dem er schon lange arbeitet. Ecce Homo – Seht her, der Mensch oder anders übertragen: Seht her, was für ein Mensch!

Er stellt damit die Frage: welche Geschöpfe sind wir eigentlich? Sind wir – der griechischen Mythologie folgend - tatsächlich nur Lehmklumpen, die weiß Gott wer geformt hat? Und welche Fäden halten diese Klumpen zusammen? Bei Oman verknüpfen sich diese Fäden zu Netzen und Strukturen. Er zeigt den Menschen in seiner (Vor-)Bestimmtheit ebenso wie in seiner Willkürlichkeit. In seiner Resolutheit wie in seiner Hinfälligkeit. In seinem Ewigkeitsanspruch und in seiner Endlichkeit. Seine Menschendarstellungen sind vielschichtig im eigentlichen Sinne. Übereinander geformt und mehrdeutig. Oman lässt Unschärfen nicht nur zu, er strebt sie an. Er lässt Raum für den Betrachter.

Das ästhetische Grundempfinden des Kärntners Valentin Oman speist sich aus dem Strukturenfeld der fünfziger und sechziger Jahre. Das sagt aber wenig darüber aus, was er ihm entnimmt und was er daraus in einem Prozesshaften, rhythmischen Wechsel herauslöst. Es ist die Geschichte, die Botschaft vom Menschen. Nicht das Individuum, das Einzelschicksal ist sein Thema, sondern ein das Vergehen schon im Wachsenden mitführendes durchschichtetes; ein heraustreten aus dem Vergangenen und das Verschwinden in ihm. Omans Figuren und Figurenfragmente gleichen oft einem Totentanz. Der Körper wird flach, tritt aus imaginären Wänden heraus, sinkt in sie ein. Was bleibt ist eine Spur. Die Welt steckt voller Relikte, Fossilien, Abdrücke und erscheint durchwoben, getragen von den Skeletten des Ausgelöschten und dennoch Bleibenden, Verwandelten.

 

"Valentin Oman fand für sein fühlendes Nachdenken verschiedene Mittel zwischen Grafik, Schrift, Malerei und Skulptur, jene Vorgänge zu verbildlichen die sich zeichenhaft niederschlagen. Er zeichnet auf, was erloschen erscheint und menschliches Bewußtsein doch nachhaltig prägt. Er notiert, was strahlt, seinen Glanz aber nicht behalten kann."

Kristian Sotriffer