Krawagna erschaut seine Bilder, die visuelle Erscheinung, das optische Erlebnis ist ihm Ausgangspunkt…Nicht das Ganze des Gegenstandes in einer rekonstruktiven Sehweise, sondern das seit jeher sogenannte malerische Sehen kennzeichnet seine Arbeitsweise. Ihn fesselt die bestimmte Situation in all Ihrer Einmaligkeit.
So muten die Arbeiten manchen Betrachter ungegenständlich, frei komponiert an, wenn sie oberflächlich betrachtet werden. Aber wenn man einmal das Selektive und zugleich auch auf das Motiv konzentrierte in seinen Gestaltungen erkannt hat, klärt sich sein malerischer Ansatz.


Beim Thema der Naturabstraktionen griff Herbert Boeckl Paul Cezannes Ansatz einer Kunst parallel zur Natur auf und erweiterte ihn vorläufig zu einer Kunst als Fortsetzung der Natur. Er beschrieb Malerei als Prozess, die mit einem Farbfleck anfange, dem ein weiterer folge, der noch weitere provoziere.

Max Weile beharte auf einer Neuschöpfung der Natur ohne jede Naturähnlichkeit durch die Malerei. Wolfgang Hollegha geht davon aus, Abstraktion sei bereits in der Natur angelegt. Herbert Boeckl und Max Weiler begründen die Enststehung der Form vorwiegend prozessual. Wolfgang Hollegha und Peter Krawagna begreifen den konkreten Gegenstand als Angebot der Begegnung mit dem Realen. Sie soll die Basis für die visuelle Farb/Form-transformation sein. Das ist der Kern von Peter Krawagnas Arbeit.

(Zitat Arnulf Rohsmann)

„Keiner der vier Hauptvertreter der Naturabstraktion in Österreich, Boeckl, Weiler, Hollegha, Krawagna, hat Wert darauf gelegt, das Ding möge wieder erkannt werden. Ist es einmal übersetzt in eine artifizielle Farb-/Form Konstellation, dann gibt es keinen Weg zurück.

Vier Maler haben die Naturabstraktion in Österreich begründet und weitergeführt, einer von ihnen ist Peter Krawagna. Das bestimmt seinen Rang in der österreichischen Kunstgeschichte.“

(Zitat Arnulf Rohsmann in einem Text von 2017)

Die Gegenstände, die Peter Krawagna wählt, sind frei von symbolischer Belastung. Sie sind Gegenstand aus seinem Ambiente. Nur einige gestaltbildende Faktoren belässt er - Kurvaturen, Farbflächen, Auflicht und Durchlicht, Reflexe und Schatten. Volumina nimmt er zurück.
Er klärt die gesehene Form des Gegenstandes durch die Reduktion auf Merkzeichen von artifzieller Relevanz.
Nie sind es alle seiner Kennzeichen; nie definiert er das Ding durch seine Oberfläche, wie es die neuzeitliche Kunst durch Jahrhunderte praktiziert hat.

(Zitat Arnulf Rohsmann)

2020 führte Peter Krawagna ein Interview mit dem international renommierten Kurator Hans Ulrich Obrist. Dort kam zur Sprache, dass ironischer Weise Abstrakte Malerei nicht seine primäre Inspiration ist. Stattdessen ist er immer wieder von den Werken von Paul Cézanne, Alberto Giacometti und Francis Bacon beeindruckt. Dennoch besteht eine Verbindung zur abstrakten Malerei, da Krawagna keine Vorstudien macht. Der erste Eindruck wird immer schnell verarbeitet, anschließend entstehen zusätzlich kleinere Werke, die das Motiv wiederholen. Insofern kann man sagen, dass bei Krawagna das Hauptwerk zuerst entsteht, und dann die Skizze.