Ringel landet nie in einer Sackgasse – er baut die Sackgassen

Ringel malt keine Ideen. Er koloriert bloß seine Geister

Er schmiert die Farbe so hin, dass man merkt, was Farben sind. Die Verrückten im

Leiseren Bildhintergrund staunen darüber lächelnd.

Ringel selbst geht oft so langsam als würde er ständig zu einer Frage ansetzen. Aber er

Fragt nichts; bestenfalls „no? Gibt’s eh nix neix bei euch?!“ Die Figuren seiner Bilder fragen da schon viel eindringlicher, und ich antworte ihnen sicherheitshalber: „Bleibt’s nur schön ruhig, Burschen, bleibt’s ma ja schön pickn am Buid’l

Durch Ringel auf den Verdacht gekommen: Irgendwie schauen die Bilder ihren Malern ähnlich.(Nicht nur bei Selbstportraits).

Bei Dichtern ist häufig das Gegenteil der Fall.

Textauszug von Wolgang Bauer über Franz Ringel, anlässlich der Ausstellung 1999 in der Galerie Leonhard


Textspur für Franz Ringel von Wolfgang Bauer

Manchmal kniet Franz in seiner Wohnung und malt mich….“mich“. Er siffelt herum und schreit mit seiner Freundin, die ihm bestimmte Farben reichen möge. Er raucht und beobachtet immer wieder das riesige Papier. Das Bild von mir wird blau, auch meine Zigarette. Er ist voll in Fahrt wie ein Bodenturner. „Sehr schön“, sagen Colette und ich, das wird sehr schön. Er kommt aus der Knielage noch nicht heraus, deshalb malt er weiter. Das Bild hängt jetzt beim Helmut Marko in guter Position in seinem Hotel. Was ist es? Ist es ein „Ringel“? Bin es vielleicht ich? Es ist einer jener Abdrücke von Franz Ringel, die allein für sich sprechen. Es ist das Kunstwerk, das keinem gehört… es ist einfach das, wie ein Baum, wie ein Haus, wie irgendein wichtiges Ding eben. Und Ringel entschlüpften viele solche wichtigen Dinge. Es scheint, das sich seine Existenz daraus eine Art Berechtigung bastelt. Die Existenz mag wohl ans Basteln glauben, Franz Ringel, so wie ich ihn kenne, eher nicht.

Er ist eine rasante Drehscheibe inmitten der Kunst, inmitten der sogennanten Kunstwelt.

Ringel ist doch ein Ernstfall für die Kunst.

Ringel weiß, dass die Kunst nicht Nebensache ist. Das Leben ist ihm zwar wichtiger, doch die Kunst reicht schon zu weit in sein Leben hinein. Das Leben wird dann ein wenig unkünstlerisch, es ist kein „Künstlerleben“. Es ist plötzlich etwas ganz gewöhnliches.

Die Reise – für den Künstler Franz Ringel Abstieg in die dunklen Zonen der eigenen Psyche sowie Metapher für Selbsterkenntnis – ist ein durchgehendes Motiv in seinem Schaffen. Die Konzeption der Ausstellung basiert ebenfalls auf diesem Thema. Unterteilt in zehn Stationen, an denen der Besucher einmalig auftretende Bildphänomene in Ringels Werk entdeckt, ist das aktuelle Schaffen des Künstlers Ausgangspunkt der Schau. Station für Station wird der Besucher zurück in die Vergangenheit des Künstlers Franz Ringel geführt, bis zu den Kasperlfiguren der 60er Jahre – schockierende, von Geschlechtsorganen überladene Zwitterwesen – sowie zu den Holzschnitten des damals 17-jährigen Schülers der Grazer Kunstgewerbeschule.