Die Bilder von Adelheid Rumetshofer verblüffen schon beim ersten Anblick mit ihrer pulsierenden Präsenz in absoluter Abstraktion. Die Reduktion auf eine Farbe in kontinuierlich verlaufenden Schattierungen von einer Intensität in die andere und eine dadurch erzeugte Unschärfe lassen den Blick permanent im Bild nach Halt suchen, den er jedoch nicht findet. Die Farbfläche beginnt zu schweben und in der Wahrnehmung zwischen Oberfläche und Tiefe zu springen. Keine gegenständliche Darstellung, kein Pinselstrich oder Verweis auf den Entstehungsprozess lenkt von dieser Konzentration auf die Farbe und ihre Raumwirkung ab. Als Person möchte die Künstlerin explizit keine Spur hinterlassen.

Als Initial einer neuen malerischen Auseinandersetzung galt der Linzer Künstlerin bereits vor vielen Jahren ein unaufgeregter Blick vom Ufer in das klare Wasser eines stillen Sees. Dort, wo die reflektierende Oberfläche zugleich transparent den Blick durch diese hindurch und auf den Grund gab, verschwammen Nah– und Fernsicht. Den visuell erfassten Raum vor ihr verstand Adelheid Rumetshofer nun als Ansammlung und Überlagerung verschiedener transparenter, intransparenter, lichtreflexiver und lichtarmer Ebenen. Diese griffen ineinander, bedingten und bedeckten sich zugleich, sodass ein Erfassen des Raums als Vorgang von Schichtungen verstanden werden konnte. Dem ähnlich, Schicht auf Schicht, trägt die Künstlerin in der Ausstellung Source ihre Ölfarben bedacht auf eine dunkel grundierte Leinwand auf. Es folgen dezenteste farbliche Abstufungen und sich stetig fortsetzende Überlagerungen, die in ihrer Gesamtheit konzentrierte Gemälde erarbeiten. Trotz aller minimalistischen Stilisierung und visuellen Ruhe stehen diese niemals still.

Niklas Koschel