Seit den 1990er Jahren widmet er sich ausschließlich den „Zentralformen“, wie er seine bis zu 3 x 3 Meter großen Bilder bezeichnet. „Der Kreis ist eine Form, die sich aus dem Schwung des Pinsels ergibt und magnetisch und meditativ zugleich wirkt“.
„Wenn Licht auf die Interferenzpigmente trifft, wird das „weiße„ Licht – wie bei einem Prisma – in farbiges Licht aufgespalten. Je nach Pigment wird nur eine spezifische Lichtwelle reflektiert, zum Beispiel grünes oder blaues Licht. Je nach Betrachtungsposition verändert sich die Farbe, die man am Bild wahr- nimmt. So entsteht eine changierende Farbfläche, die meine Bilder total lebendig macht.“
Ein weiterer Arbeitsbegleiter ist Musik. „Ihr Rhythmus gibt den Rhythmus meiner Arbeit vor. Am liebsten höre ich Barockmusik oder Jazz – je nachdem welchen Drive ich brauche. Wenn das Bild einen Sound erzeugt und es WUMM macht, dann ist es fertig.“ 

Schaberls Kernfrage lautet: Wie agieren Materialien und Formen miteinander um einen einzigartigen vollendeten Klang entstehen zu lassen? (Die zweite Kernfrage lautet, wo er die besten Pilze findet, aber dies gehört zu einer anderen Form künstlerischer Auseinandersetzung.) Also, um diese simple, aber in der Konsequenz ihrer Folgen unabsehbare Frage nach dem vollendeten Klang zu beantworten, experimentiert er in seinem Wiener Laboratorium und schafft eine unmittelbare Malerei. Und ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar. Denn es gelingt dem Künstler die Spannungsschraube immer noch ein wenig weiter zu drehen und uns mit neuen Sinneseindrücken zu verführen, zu beglücken und in Bewegung zu halten. Indem er seit einigen Jahren Iriodin-Farben verwendet, zwingt er den Betrachter sich vor den Gemälden hin und her zu bewegen, denn je nach Sonnenstand, Lichtverhältnissen und Position des Betrachters offenbaren sich gänzlich unterschiedliche Farbtöne, die von hellem Blau über Grün bis hin zu Rostrot reichen können. Insbesondere in unserer Zeit des schnellen Wandels wird deutlich, wie wichtig Kunstwerke sind, die uns Bilderflutgeplagten zu einem entschleunigten Sehen und reflektiertem Handeln hinführen können. Der Künstler gibt uns mit seinen Zentralformen die Möglichkeit den gemalten Raum als Aggregatzustand zu entdecken, der durch den Betrachter im Prozess des Sehens zum Leben erweckt wird. Doch – und dies ist das Besondere und Einzigartige an der Betrachtung eines Werkes von Robert Schaberl – nur wer sich bewegt, erfährt den ganzen Reichtum der verborgenen Farb-Welten, das Pulsieren der Lasuren und die Öffnung des Raumes hin zum Farbklang. In den beiden hier gezeigten Werken zeigen sich gut die intensiven Strahlkräfte der Farben (einzeln und als Gesamtes), die grandiose Sprengkraft der räumlichen Wirkung, aber auch die ungeheure Faszination, welche Robert Schaberls Malerei um der Malerei willen auf uns ausübt.

Textauszug:  Dr. Harald Krämer