eit den 1970er-Jahren verknüpft Meina Schellander ihre inneren Räume mit der Außenwelt, ihre Seelenlandschaften mit der Natur. Manchmal tut sie das im wahrsten Sinn des Wortes, umnäht und umschlängelt Kirchen und Häuser mit dicken Seilen: "Ich kann das in mich aufwickeln wie auf eine Spule und dann wieder abwickeln."

Geboren 1946 als Tochter einer Schneiderin in Ludmannsdorf in Kärnten, wurde ihr die Liebe zum Faden, die Faszination der Linie schon in die Wiege gelegt: "Meine Mutter hat Tag und Nacht genäht. Und ich habe ihr geholfen, vor allem in den Ferien habe ich mitgearbeitet, von klein auf eingefädelt." Die Mutter, erinnert sich die Künstlerin, habe ohne exakte Schnitte genäht: "Sie hat auf den Menschen, auf den Körper, hingearbeitet. Bei mir passiert nichts anderes. Ich sehe den Platz und arbeite auf ihn hin. Ich sehe den Raum und weiß, was ich zu tun habe. Wenn es passt, dann bin ich glücklich. Dieses Glückserlebnis lässt sich kaum ersetzen."

Künstlerin Meina Schellander mit dem Titel ihrer Dokumentation "Konnexionen" an, in welcher sie anhand von Fotos, Zeichnungen und Beiträgen namhafter Kunstkritiker wie Friedrich Achleitner oder Otto Kapfinger und einem Gedicht von Gustav Janus Bilanz über ihre "temporären Installationen im öffentlichen Raum in Kärnten und Wien" zieht. Was verbindet "außen" mit "innen", die Psyche mit ihrer Umgebung? Meina Schellander macht es mit ihrer Rauminstallation am Hause ihrer Mutter sinnlich erahnbar, oder mit den Seilen, mit welchen sie das Kirchenschiff des Doms zu Maria Saal mit den Außenwänden, dem Dach und dem Oktogon verbindet. Auch in der hochbarocken Wiener Jesuitenkirche zieht sie mittels Seilen Kraftlinien durch den Sakralraum. Die Künstlerin hat sich schon früh zu der sinnlichen Übersinnlichkeit der Mystikerinnen hingezogen gefühlt, man erinnere sich an ihre abstrakte Skulptur der heiligen Katharina von Siena. Und wenn sie einmal meinte, "mein eigener Innenraum besetzt mich stärker als der, den ich außen sehe. Und wenn ich sage: Ich bin leer, dann bringe ich genau diesen Leerraum in die Kunst. Wir sind alle Teile dieses Kosmos", hebt sie die Gegensätze zwischen "Tradition", "Moderne" und moderner Physik auf. Ein Solitär.

In der Serie ZEIT-LAND-ANTEIL (Fotos) stellt Meina Schellander ab 2002 INNERE FREQUENZEN (Zeichnungen) gegenüber. Ausschnitte von Stoppelfeldern, Baum-stämmen (ab 2001/02) sowie Getreidefeldern wie Mais, Weizen, Roggen, Hafer (ab 2002/03) sind Inhalte der Fotos, reduzierte Linearstrukturen bis zu verdichteten Entsprechungen bestimmen die Blei-, Bunt- und Wachsstiftzeichnungen: ein Misch-verhältnis zwischen innen und außen, gewachsen und gebaut.
Annähernd monochrome Ansichten gewachsener Natur lösen in den Paaren bei der Künstlerin den jeweiligen inneren Stau aus, dessen Elemente die Zeichnungen bilden und in gebrochenen Farbmischungen verdichtet werden.
Reagieren auf die Natur und unmittelbar bauen, lautet die Strategie für die Bildwerke dieser Serie der letzten Jahre.

Meina Schellander 2002/12