Amtmanns Arbeiten wirken zunächst etwas irritierend, verunsichernd, unterkühlt und hermetisch, in sich abgeschlossen und dennoch immanent ambivalent. Eine Ambivalenz, die sich auf allen Ebenen aufweisen lässt: Bildformen, die zu Objekten werden, d. h . Bildflächen, die sich in den Raum erweitern, reliefartig, skulptural – und dennoch wirken sie im Blickfeld erst wieder wie Bildflächen. Bildflächen, die sich ineinander „verschachteln“ und verschieben, überlappen, und so die einzelnen unbunten Flächen in ihrer Skala der Grauwertekonstituieren.

Auch die Materialien des Bild-Objektes ist ambivalent: Das bei diesen  objektualen Bildformen verwendete Material, milchiges Acrylglas, wirkt sowohl glänzend und transparent, wie auch sichthemmend, eine abgestufte Opazität. Durchsichtig bis auf den Bildgrund, eine klassische Leinwand, und gleichzeitig dieses Sehen verschleiernd. Der gläserne Glanz, der im Grunde Klarheit und Reinheit suggeriert, wird durch ein Sfumato des Materials umgekehrt in die Wirkung einer Weichheit und Unschärfe, die wie ein Schatten des Sichtbaren am Sehen haften.

Die evozierte Ästhetik spielt grenzgängerisch zwischen den Kategorien einer Industrie- bzw. „Hochglanz“- Ästhetik und einer Ästhetik des Kunstschönen, die sich gerade in Abgrenzung platter, oft hedonistischer „Schönheit“ definiert. Dennoch scheuen die Objekte nicht die Nähe und Berührung  mit heutiger Design-Ästhetik. Als Kunst wirkt diese Design-Ästhetik aber provokant und reflexiv, d.h. sie ist radikal in Frage gestellt.

Amtmanns Arbeiten verweigern auch die Tradition des Expressiven und Emotionalen, sie sind keine Beispiele einer „Ausdruckskunst“. Die Verweigerung und Negation alles Expressiven und Subjektiven, eine beinahe schon manisch zu nennende „ Scheu“ und Ablehnung, etwas von seinem „Ich „ preiszugeben“, setzt sich bis in den Herstellungsprozess der Arbeit selbst fort.

Die  bildliche Darstellung ist auf die Grundelemente der Geraden und Flächen, die die Logik der Relationen zwischen ihnen konstitutiv variieren, reduziert. Die Idee gestaltet sich in der Kombination zweier oder auch von drei miteinander korrespondierenden und „kommunizierenden“ Bildobjekten zum Programm, das die Spielräume auslotet. Die Ordnung der orthogonalen Flächen wird durch die jeweils unterschiedlich dominierenden Horizontalen und Vertikalen bestimmt.

Es geht um den Begriff der Ordnung – keiner statischen, sondern einer Ordnung, die sich aus Verschiebungen und Differenzen immer wieder neu um ihr Zentrum bildet. Nur wo es Abweichungen  von der absoluten Ordnung gibt, können sich neue Ordnungsstrukturen zeigen.

 

(Auszug aus dem Katalog S. Amtmann, E. Fiala)