Im Entstehungsprozeß verknüpft Skreiner zwei verschiedenartige Gegebenheiten: Eine komplexe das Bildfeld in unregelmäßige geometrische Zellen teilende Kompositionsstruktur (s. Abb.) und ein sich zeilenartig entwickelndes System eindeutiger Zeichen (I-/\). Diese Elemente dienen dazu die Bildstruktur visuell fassbar zu machen, die ihrerseits die gleichförmige Abfolge der Zeichen rhythmisiert. Beide Bestimmungsfaktoren sind innerhalb eines vorgegebenen Bereiches variabel. Indem Skreiner diese beiden Bildfaktoren durch Überlagerung kombiniert, schafft er einen Spannungszustand, den er in der Folge bearbeitet.Zeigt die erste Abbildung das Prinzip, so handelt es sich bei den folgenden drei Bildgruppen der letzten zehn Jahre um verschiedene »Durchführungen« dieses » Themas«. Verändert wird das Verhältnis zwischen konsequenter Darlegung der im voraus bestimmten Bedingungen und spontanen Entscheidungen im Prozeß der Verbildlichung. Eng verbunden damit ist die Wahl der Mittel. Wo die Zeichen in erster Linie die Zellenstruktur (das Kompositionsthema) verdeutlichen sollen, herrscht die reduzierteste Darstellungsform, die Linie und das Intervall. Werden hingegen Zeichen Konstellationen innerhalb der einzelnen Zellen durch individuelle Entscheidungen zu bandartigen Streifen und diese zu flechtwerkartigen Komplexen verknüpft, die die Zellen füllen und bilden diese einen wie aus einzelnen Flecken gefügten Stoff, dann ist unsinnlich schwarze, pastos aufgetragene Farbe das geeignete formbare Material: nur die reliefartige Textur dient der Formbildung und-differenzierung. Trotz der Brüche zwischen den Teilen fügen sie sich zum homogenen Ganzen.Wesentlich größere Individualität ist den etwas später entstandenen farbigen Bildern eigen. Die ersten wirken wie die Antwort des »Systematikers« auf die Neue Malerei: Die Elemente des gleichbleibenden Zeichen-systems werden in freie, malerische Pinselstriche umgesetzt, die keinen direkten Rückschluß mehr auf ihre geordnete Herkunft zulassen. Das sinnliche Element dynamischer Farbverfügung drängt die intellektuelle Struktur völlig in den Hintergrund. Der zweite Pol ist damit erreicht.Skreiner betont, dass er sich einmal mehr der Arbeit an dem Kompositions-und Zeichensystem und seiner Visualisierung widme, dann wieder an der Deutungder formal entwickelten Beziehungen arbeite, in wechselseitiger Befruchtung von Intellekt und Gefühl. Der »wilde« Einzug der Farbe in sein Bildkonzept blieb Episode. Er führte ihn jedoch zu einem Kombinieren von Formstruktur und Farbkonzept, das einen neuen Bildgehalt hervorbrachte. Auf der nunmehr hochrechteckigen weißen Bildfläche sind zwei große, durch einen Zwischenraum getrennte Farbflächen aufgetragen. Die altbekannten »Zeichen« schweben in lockerer (wie früher vorprogrammierter) Verteilung vor diesen Flächen, ohne mit ihnen irgendeine Verbindung einzugehen.